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Mit welchen Tools testest du Barrierefreiheit? Unser Werkzeugkasten für die Praxis

Kein einzelnes Tool kann Barrierefreiheit bestätigen. So kombinierst du automatischen Check, Tastatur, Zoom, Screenreader, Kontrastchecker und manuelles Audit, und worauf du beim Testen achten solltest.

Das sitebrunch Accessibility Monitoring im Browserfenster: Gesamt-Score 87 Prozent, Score-Verteilung über 4 geprüfte Seiten und eine Liste der gefundenen Probleme.

Wir testen mit mehreren Werkzeugen, die sich ergänzen. Am Anfang steht ein automatischer Check, der in Sekunden die maschinell prüfbaren Fehler findet. Dann kommen Tastatur, Browser-Zoom und ein Screenreader. Zum Schluss folgt ein geführtes, manuelles Audit, das alle Prüfschritte der EN 301 549 und WCAG 2.2 abdeckt. Keines dieser Werkzeuge reicht allein. Den Unterschied macht das Wissen, wie man ihre Ergebnisse liest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein automatischer Check findet typische Fehler, kann Barrierefreiheit aber nicht bestätigen.

  • Unser automatisiertes Monitoring prüft 19 WCAG-Erfolgskriterien. Das komplette Audit umfasst 97 Prüfschritte.

  • Tastatur, Zoom auf 200 % und ein kostenloser Screenreader decken auf, was kein Scanner sieht.

  • PDFs brauchen eine eigene Prüfung nach PDF/UA und WCAG.

  • Mit Werkzeugen allein kommst du nicht weit, du musst wissen, wie man sie einsetzt. Unser E-Learning „Barrierefreiheit strategisch umsetzen“ ist im kostenlosen Plan enthalten.

Warum ein einzelnes Tool nie reicht

Die Web Accessibility Initiative des W3C schreibt das ausdrücklich: Prüfwerkzeuge können nicht alle Aspekte automatisch testen, es braucht menschliches Urteil, und manchmal liefern sie falsche oder irreführende Ergebnisse. Tools können Barrierefreiheit laut WAI nicht feststellen, sie können nur dabei helfen (W3C WAI, Selecting Web Accessibility Evaluation Tools).

Ein Beispiel aus unserem eigenen Werkzeug: Die automatisierte Prüfung erkennt, ob ein Bild einen Alternativtext hat. Ob dieser Text das Bild auch passend beschreibt, schätzt ein KI-Modell nur für eine begrenzte Zahl von Bildern pro Seite ein. Das letzte Urteil bleibt bei einem Menschen. Deshalb heißt eine bestandene automatische Prüfung bei uns nie, dass das Kriterium erfüllt ist (Was die automatisierte Prüfung testet).

Unser Werkzeugkasten im Überblick

Werkzeug

Wofür

Konkretes Beispiel

Grenze

Automatischer Check

Maschinell prüfbare WCAG-Regeln

Formularfeld ohne verknüpftes Label: Der Screenreader kann nicht ansagen, was einzutragen ist

Prüft die Qualität von Inhalten nicht

Tastatur (Tab, Shift+Tab, Enter)

Bedienbarkeit ohne Maus

Ein Menü öffnet sich nur beim Hovern und ist mit Tab nicht erreichbar

Sagt nichts über Screenreader-Ausgaben

Browser-Zoom auf 200 %

Lesbarkeit bei Vergrößerung

Text läuft aus dem Fenster und zwingt zum seitlichen Scrollen

Nur ein Aspekt der Darstellung

Screenreader (NVDA, VoiceOver)

Wie assistive Technologie die Seite vorliest

Ein Icon-Button wird nur als „Schaltfläche“ angesagt, ohne Namen

Braucht Übung, sonst sind die Ergebnisse wenig belastbar

Kontrastchecker

Farbkontrast von Text

Hellgrauer Text auf Weiß erreicht 4,5:1 nicht

Text auf Bildern muss man gezielt prüfen

PDF-Prüfung

Dokumente nach PDF/UA und WCAG

Grafik ohne Alternativtext

Die Lesereihenfolge muss ein Mensch prüfen

Die Reihenfolge, in der wir sie einsetzen, folgt im nächsten Abschnitt.

So gehen wir bei einer Prüfung vor

  1. Automatisch scannen. Unseren kostenlosen Barrierefreiheits-Check startest du mit einer URL. Er prüft die Seite mit über 80 automatisierten WCAG-Prüfungen auf Basis von Axe-core, einer Testing-Engine für Barrierefreiheit. Du erhältst einen Score von 0 bis 100 Prozent. Er findet zum Beispiel fehlende Alternativtexte, schwache Kontraste, fehlende Sprachauszeichnung und übersprungene Überschriftenebenen.

  2. Mit der Tastatur durchgehen. Leg die Maus weg und springe mit Tab durch die Seite. Sichtbar sein muss dabei, welches Element gerade den Fokus hat. Das W3C erklärt in seinen Easy Checks zum Tastaturfokus, worauf du achten solltest.

  3. Zoomen. Mach das Browserfenster schmal und vergrößere mit Strg bzw. Cmd und „+“ auf 200 %. Laut den W3C Easy Checks zum Zoom solltest du nach etwa fünfmaligem Drücken dort sein. Der Text muss dann weiterhin im Fenster umbrechen.

  4. Screenreader einschalten. Unter Windows nutzt du NVDA, den kostenlosen Screenreader von NV Access. Am Mac ist VoiceOver eingebaut und lässt sich laut Apple-Support mit Command-F5 ein- und ausschalten.

  5. Kontraste messen. Für normalen Text verlangt WCAG-Kriterium 1.4.3 ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1, für großen Text 3:1 (W3C, Understanding SC 1.4.3).

  6. Systematisch auditieren. Ein Prüfprotokoll ersetzt das Bauchgefühl. In unserem manuellen Audit nach EN 301 549 und WCAG 2.2 öffnet unsere Browser Extension jeden Prüfschritt direkt auf deiner Website, mit Element-Infos, Kontrastchecker und automatischen Tests. Das Kick-off Audit umfasst die wichtigsten Prüfschritte, und in etwa einem Tag weißt du, wo du stehst. Das komplette Audit geht alle 97 Prüfschritte durch.

  7. PDFs nicht vergessen. Mit unserer PDF-Prüfung lädst du einzelne Dokumente hoch oder lässt deine Website nach eingebundenen PDFs durchsuchen. Geprüft wird gegen PDF/UA und WCAG. Die Lesereihenfolge kontrollierst du manuell.

Was beim Testen typischerweise schiefgeht

Den Score für das Ergebnis halten. Ein hoher Wert im automatischen Check heißt nur, dass die maschinell prüfbaren Regeln erfüllt sind. Unser Check ist ausdrücklich keine rechtliche Prüfung und kein Konformitätsnachweis.

Nur die Startseite prüfen. Unser kostenloser Check prüft immer die eine Seite, deren URL du eingibst. Formulare, Warenkorb und Login sehen oft ganz anders aus. Wähl deshalb für Tastatur- und Screenreader-Tests die Seiten, auf denen Nutzer*innen etwas erledigen wollen.

Screenreader ohne Übung bedienen. Wer NVDA zum ersten Mal startet, hält eigene Bedienfehler leicht für Fehler der Website. Lern zuerst die Grundbefehle, dann testest du.

Einmal testen und abhaken. Websites ändern sich mit jedem Deployment. Im WCAG-Monitoring scannen wir deshalb fortlaufend. Aus einem abgeschlossenen Audit startest du ein Re-Audit, das alle bisherigen Funde übernimmt, und hakst ab, was behoben ist.

Werkzeuge brauchen Wissen

Wenn du die Tabelle oben noch einmal liest, siehst du, dass jede Grenze dort eine Wissensfrage ist. Ist der Alternativtext gut? Ist diese Screenreader-Ansage korrekt? Gehört dieser Fund zum Design oder in die Entwicklung? Genau dafür gibt es unsere Schulungsinhalte für digitale Barrierefreiheit, darunter die Schulungen von Gehirngerecht Digital.

Die E-Learnings sind nach Rollen aufgeteilt:

  • Design: Prinzipien der Barrierefreiheit, Design-Systeme, Designs dokumentieren und testen, WCAG im Design.

  • Entwicklung: Wie assistive Technologien deine Website verstehen, HTML und ARIA, dynamische Statusupdates.

  • Redaktion: Barrierefreie Texte, Bilder, Videos und Animationen.

  • Dokumente: Barrierefreie Dokumente mit Word erstellen und selbst prüfen.

Je nach E-Learning dauert es zwischen 4 und 12 Stunden. Du kannst es von vorn bis hinten durcharbeiten oder als Nachschlagewerk nutzen. Darin findest du Ressourcen und Hilfsmittel für die Umsetzung und Überprüfung. Nach Abschluss bekommst du ein Teilnahmezertifikat, das du auf LinkedIn teilen kannst.

Häufige Fragen

Reicht ein kostenloses Online-Tool, um meine Website zu prüfen?

Für den Einstieg ja, für eine Aussage über Konformität nein. Ein automatischer Check zeigt dir offensichtliche Probleme. Viele Anforderungen lassen sich aber nicht automatisch prüfen, dafür brauchst du manuelle Prüfungen.

Welchen Screenreader sollte ich zum Testen nehmen?

Nimm den, der auf deinem System läuft: NVDA unter Windows, VoiceOver am Mac. Beide kosten nichts. Wichtiger als die Wahl ist, dass du die Grundbefehle beherrschst.

Kann ich ohne Vorkenntnisse selbst ein Audit machen?

Ja, aber nicht im Free-Plan. Audits sind laut unserer Preisübersicht erst ab dem Solo-Plan für 49 € pro Monat enthalten. Jeder Prüfschritt hat eine Anleitung mit Bildern, viele zusätzlich ein Video und Beispiele. Automatisierte Problem- und Lösungsvorschläge für alle Prüfschritte gibt es ab dem Agency-Plan.

Was kosten die E-Learnings?

„Barrierefreiheit strategisch umsetzen“ ist in jedem Plan enthalten, auch im kostenlosen Free-Plan. Alle Schulungen von Gehirngerecht Digital sind im Agency-Plan für 149 € pro Monat enthalten und lassen sich dort über den Workspace mit beliebig vielen Kolleg*innen teilen. Einzeln gibt es sie als Einzellizenz, die zeitlich unbegrenzt gilt und an eine Person gebunden ist.

Dein nächster Schritt: das kostenlose E-Learning

Bevor du die ersten Tools ausprobierst, solltest du wissen, was du eigentlich prüfst. Starte mit unserem E-Learning „Barrierefreiheit strategisch umsetzen“. Es zeigt dir, welche Fehler du vermeiden solltest und wie Barrierefreiheit auf Dauer erhalten bleibt. Über 100 Teilnehmende haben es bereits abgeschlossen. Du registrierst dich kostenlos und findest das E-Learning im Free-Plan. Alle Inhalte und Pläne findest du auf unserer Seite zu den Schulungsinhalten für digitale Barrierefreiheit.

Bereit, barrierefrei zu werden?

Starte heute mit sitebrunch und sorge dafür, dass deine digitalen Inhalte barrierefrei sind.

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