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ChatGPT sendet keinen Referrer und keine UTM-Quelle mehr: Was das für deine Web-Analyse bedeutet

Seit dem 9. Oktober 2026 kommen viele Klicks aus ChatGPT ohne Herkunft an und landen als „Direkt“ in der Statistik. Warum das passiert und wie du ChatGPT-Traffic jetzt trotzdem einordnest.

Seit dem 9. Oktober 2026 kommen viele Klicks aus ChatGPT ohne Herkunftsangabe auf Websites an. Es gibt keinen Referrer und keinen Parameter utm_source=chatgpt.com. Analytics-Tools ordnen diese Besuche deshalb dem Kanal „Direkt“ zu. Die ChatGPT-Zahl in deinem Bericht sinkt, obwohl die Besucher*innen nach den bisherigen Daten weiter kommen. Cedric Huesler von Adobe hat rund 500 Seiten ausgewertet: Dort fielen die ChatGPT-Besuche um etwa 31.000 pro Tag, und die Direktbesuche stiegen um etwa 26.000 pro Tag (Search Engine Roundtable, 14. Oktober 2026). Eine offizielle Mitteilung von OpenAI zu einer Korrektur gibt es bisher nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • In vielen ChatGPT-Antworten fehlt bei den Links seit Oktober 2026 der Parameter utm_source=chatgpt.com, und es kommt kein Referrer mehr an.

  • Fehlen beide, zählt der Besuch als „Direkt“. In GA4 landet er dann auch nicht im Kanal „AI Assistant“.

  • Gesunken ist nach den bisherigen Daten vor allem die Messung. Auf rund 500 Seiten kamen pro Tag etwa 31.000 ChatGPT-Besuche weniger und etwa 26.000 Direktbesuche mehr an.

  • Einen Herkunftswert, der nie übertragen wurde, kann kein Analytics-Tool nachträglich ermitteln.

  • Setz eine Anmerkung zum 9. Oktober 2026 und werte ab diesem Tag ChatGPT und Direkt gemeinsam aus.

Was sich bei ChatGPT geändert hat

Schon seit 2025 hängt ChatGPT den Parameter utm_source=chatgpt.com an Links in seinen Antworten. Im Juni 2025 kam er auch bei den zusätzlichen Quellen unter „Mehr“ dazu (Search Engine Roundtable, 16. Juni 2025). Im Oktober 2026 verschwand er bei vielen Links wieder. Laut Search Engine Roundtable begann das offenbar mit der Veröffentlichung von GPT‑6. Für die Ursache gibt es zwei Erklärungen, die sich nicht ausschließen.

Cedric Huesler meint, dass GPT‑6 Links mit folgendem Aufruf öffnet:

window.open(url, "_blank", "noopener,noreferrer")

Die Option noreferrer hat eine klar beschriebene Wirkung: Der Browser lässt den Referer-Header weg. Außerdem behandelt er das neue Fenster so, als wäre auch noopener gesetzt. Da gleichzeitig der UTM-Parameter fehlt, erhält die Zielseite keinerlei Hinweis auf ChatGPT.

Profound führt den Rückgang dagegen auf die neue „Intelligent UI“ zurück, in der ChatGPT mit interaktiven Elementen antwortet. In den von Profound gesammelten Antworten hatten am 8. Oktober etwa 98 % der Antworten mit Quellen mindestens einen markierten Link. Am 9. Oktober waren es noch 75 %, am 14. Oktober 66 %. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Antworten in der Intelligent UI von 2 % auf etwa 35 %. Es gibt Ausnahmen: Links, die erst in einem zusätzlich geöffneten Produkt- oder Infofenster erscheinen, trugen den Parameter weiterhin. Ob eine Quelle erkannt wird, hängt also auch davon ab, auf welchen Link jemand klickt.

Warum ein fehlender Referrer den Besuch zu „Direkt“ macht

Der Referrer ist die Adresse der vorherigen Seite. Der Browser schickt sie im HTTP-Header Referer an die Zielseite. Auch bisher kam aus ChatGPT nicht viel an. Die Standardregel der Browser, strict-origin-when-cross-origin, überträgt beim Wechsel auf eine andere Domain nur den Ursprung, also https://chatgpt.com/ und nicht die einzelne Unterhaltung. Diese Angabe reichte aber, um die Quelle zu erkennen. Der UTM-Parameter war ein zweiter, unabhängiger Weg dafür. Jetzt fallen beide Signale weg.

Was dann passiert, zeigt Google Analytics 4. Den Kanal „AI Assistant“ vergibt GA4 laut seiner Definition der Standard-Channelgruppe nur in zwei Fällen: Das Medium lautet „ai-assistant“, oder der Referrer passt zu einer Liste bekannter KI-Assistenten. Kommt weder ein Referrer noch ein UTM-Parameter an, wird die Sitzung als „Direct“ eingeordnet. Diesen Kanal beschreibt Google als Zugriff über einen gespeicherten Link oder eine eingetippte URL. Ein Klick aus einer ChatGPT-Antwort sieht für GA4 also aus wie ein Lesezeichen.

Was das für deine Zahlen bedeutet

Die Beispiele in der Tabelle sind ausgedacht und zeigen das typische Muster:

Kennzahl

Was passiert

Beispiel

ChatGPT bzw. „AI Assistant“

sinkt ab dem 9. Oktober sprunghaft

Ein Ratgeberartikel, der bisher regelmäßig ChatGPT-Besuche hatte, zeigt fast keine mehr

Direkt

steigt, besonders auf tiefen Unterseiten

Eine lange Produktvergleichs-URL bekommt plötzlich viele Direktbesuche, obwohl kaum jemand sie abtippt

Conversions nach Quelle

ChatGPT verliert den Anteil, Direkt gewinnt ihn

Jemand lässt sich in ChatGPT ein Produkt empfehlen, kauft und wird als „Direkt“ gezählt

Organische Suche

bleibt im üblichen Rahmen

Bei Huesler sank die Suche auf den betroffenen Seiten um 7 %, also so stark wie überall sonst

Zeitreihen

bekommen einen Bruch

Ein Vergleich Oktober gegen September zeigt einen ChatGPT-Einbruch, der nur auf der Messung beruht

Huesler hat außerdem beobachtet: Auf zwei von drei Seiten, die ChatGPT-Besuche verloren, stiegen die Direktbesuche. In der Woche davor war das reiner Zufall. Die neuen Direktbesucher*innen ähneln zudem ChatGPT-Besucher*innen. Auf Mobilgeräten stieg der Anteil derer, die das Cookie-Banner zum ersten Mal sahen, also neu auf der Seite waren, von 36 % auf 44 %. Bei ChatGPT-Besucher*innen lag dieser Wert bei 55 %. Die Auswertung umfasst allerdings nur die Tage vom 9. bis 13. Oktober.

So wertest du ChatGPT-Traffic ab jetzt aus

Den genauen ChatGPT-Wert bekommst du nicht zurück. Du kannst aber eingrenzen, wo die Besuche jetzt gezählt werden. Gehe in dieser Reihenfolge vor:

  1. Anmerkung setzen. Markiere den 9. Oktober 2026 in deinem Analytics-Tool und in jedem Bericht, mit dem deine Leistung bewertet wird. Erkläre den Bruch allen, die diese Berichte lesen.

  2. Betroffene Seiten auswählen. Nimm die Seiten, auf denen ChatGPT vorher einen großen Anteil der Besuche hatte. Huesler hat Seiten mit mindestens 5 % ChatGPT-Anteil verwendet.

  3. ChatGPT und Direkt zusammenrechnen. Vergleiche auf diesen Seiten die Summe aus beiden Kanälen vor und nach dem Stichtag. Bleibt die Summe ungefähr gleich, ist vor allem die Messung verloren gegangen und weniger die Besuche.

  4. Verhalten vergleichen. Prüfe, ob sich die Direktbesuche seit dem 9. Oktober anders verhalten als vorher: mehr neue Besucher*innen, andere Einstiegsseiten, andere Lesezeit.

  5. Gesamtbild prüfen. Schau auf alle Besuche und Conversions zusammen. Profound rät, die Strategie nicht allein wegen der ChatGPT-Zahl zu ändern, wenn nur diese Zahl eingebrochen ist.

Ein typischer Fehler ist Schritt 5 in die falsche Richtung: Das Budget für Inhalte wird gekürzt, weil ein Kanal scheinbar wegbricht, obwohl nur sein Etikett fehlt.

Für Schritt 4 eignet sich unsere Kampagnen-Auswertung. Sie vergibt für jede Quelle einen Aktivitätswert, der Ziele, Absprung, Lesezeit, Scrolltiefe und Seiten pro Besuch zusammenfasst. Der Durchschnittsbesuch hat den Wert 1,0×. Bewertet werden Quellen mit mindestens 30 Besuchen im gewählten Zeitraum. Ändert sich der Wert von „Direkt“ nach dem Stichtag deutlich, ist das ein Hinweis auf neue Besucher*innen in diesem Kanal. Von jeder Quelle aus öffnest du die Journeys und siehst, welche Seiten diese Besucher*innen danach aufrufen. Eine Herkunft, die der Browser nie übermittelt hat, können aber auch wir nicht anzeigen.

Häufige Fragen

Schickt ChatGPT jetzt weniger Besucher*innen?

Die bisherigen Daten deuten auf etwas anderes hin. Auf den rund 500 Seiten aus Hueslers Auswertung kamen fast so viele Direktbesuche dazu, wie ChatGPT-Besuche verloren gingen. Ein sicherer Beweis ist das nach wenigen Tagen noch nicht.

Kann ich den Referrer auf meiner Seite zurückholen?

Nein. Ob ein Referrer mitgeschickt wird, entscheidet die Seite, die den Link öffnet, in diesem Fall ChatGPT. Mit Einstellungen auf deiner Website kannst du daran nichts ändern.

Helfen eigene UTM-Parameter?

Nur bei Links, die du selbst erstellst und verbreitest, zum Beispiel im Newsletter. Die Links in ChatGPT-Antworten erzeugt ChatGPT selbst. Hänge UTM-Parameter außerdem nie an Links innerhalb deiner eigenen Website. Sonst überschreiben sie die ursprüngliche Herkunft des Besuchs.

Erscheinen ChatGPT-Besuche in GA4 noch unter „AI Assistant“?

Nur, wenn der Referrer ankommt oder das Medium „ai-assistant“ lautet. Ein Teil der Links trägt den Parameter utm_source=chatgpt.com noch, etwa Links in zusätzlich geöffneten Fenstern. Diese Besuche behalten die Quelle chatgpt.com. Fehlen Referrer und Parameter, landet der Besuch in „Direct“.

Macht OpenAI die Änderung wieder rückgängig?

Das ist offen. Profound rechnet mit einer Korrektur, hat aber keine offizielle Mitteilung dazu gesehen. Auch wenn die Markierung zurückkommt, bleiben die Wochen ohne sie in deinen Daten als „Direkt“ gespeichert.

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